Hingekuckt #002 – Ein Vorschlag für die Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO

Das Gebäude in der Freinsheimer Straße in Kallstadt ist einfühlsam in die Situation der Straßengabelung hineinkomponiert. Mit seinem antike Tempelfronten zitierenden Dreiecksgiebel symbolisiert es in dieser idealen Form das unverrückbare göttliche Prinzip der Vollkommenheit ebenso, wie es das Bestreben im Dachgeschoss noch ein wenig Wohnraum zu gewinnen materialisiert. Welch glückliche Allianz von Form gewordenem Tiefsinn und Umsetzung bauspargesteuerter Nutzungsoptimierung! Die Längsseite dagegen beschließt eine ruhige Traufzone, die den bedeutenderen der beiden Straßenzüge begleitet. Wer fühlte sich nicht an das ruhige, majestätische Lagern von Baukörpern wie der Würzburger Residenz oder des nur als Torso überkommenen Prora erinnert? Ebenso meisterhaft gelang die gliederungslose Gliederung der Fassaden. Man braucht gar nicht erst auf das Bauhaus zu verweisen, um die konsequente Vermeidung allen verunklärenden Dekorationstands als besondere ästhetische Qualität zu preisen. Hier sprechen klare Formen eine klare Sprache.
Die über jedwede kleinlichen Einwürfe erhabene künstlerische Qualität des Baus, erfährt aber durch die historische Bedeutung des von vielen vorbeieilenden Zeitgenossen kaum beachteten Hauses eine Steigerung seines Wertes, die es endgültig für die Einreihung in die Phalanx der Weltkulturerbestätten qualifiziert. Man ahnt es schon: obgleich das Haus von bescheidenen Dimensionen ist, so hat es in seinen Mauern doch bedeutende Menschen  beherbergt. Keine geringere Familie als die Dynastie Trump entstammt dem zeitlos schönen Bau im malerischen pfälzischen Weinort Kallstadt. Im 19. Jahrhundert tauschte Friedrich Trump, seines Zeichens Friseur, sein so trefflich gestaltetes Zuhause gegen die Option jenseits des Atlantiks Großes zu erreichen. Und es gelang. Er wurde zum Begründer eines Familienimperiums, das am Ende mit dem Nachfahren Donald einen Präsidenten der Vereinigten Staaten hervorbrachte. So geht Auswandern! Und man sage nicht, diesen beispiellosen Erfolg hätte niemand ahnen können. Nicht von ungefähr erfreuen sich die Kallstädter des Spitznamens „Brulljesmacher“, was in etwa Angeber, Großsprecher oder Sprücheklopfer bedeutet. Mehr Qualifikation geht nicht!
Und darum: man nehme so rasch wie möglich dieses baukünstlerisch wie historisch höchst bedeutende Haus in die Welterbeliste auf!  Schreiben Sie an die UNESCO!

© Thomas Huth