Hingekuckt #001 – Guckt nicht!

Da Herr Jawaschew sein Pariser Triumphbogenverhüllungsprojekt absagen musste, blieb dem Meister Zeit für eine Aktion in der „Provinz“.

Zu bewundern ist das auf dem Frankfurter Römerberg. Es ist ein atemberaubendes Projekt, denn im Gegensatz zu banalen Bauwerken wie dem Berliner Reichstag oder der Pont Neuf hat sich der Künstler hier an das vielleicht vielschichtigste Thema seiner Karriere herangewagt: an die Gerechtigkeit!

So steht Justitia nun, eingehüllt in reflektierendes Material auf dem Gerechtigkeitsbrunnen und blickt blicklos auf Frankfurts ehrwürdiges Rathaus, den Römer. Ob sich der Meister seiner besonderen Verantwortung bei dieser besonderen Figur der Justitia bewusst war?

Und hat er die möglichen politischen Folgen abschätzen können? Die Frankfurter Justitia ist eine der seltenen, wenn nicht vielleicht sogar die einzige, deren Augen nicht verbunden sind und die somit das Treiben im Römer mit scharfem, urteilendem Blick verfolgt, was sicher als Mahnung an die Ratsherren gedacht war und ist. Und nun? Unkontrollierte Stadträte, ein Oberbürgermeister ohne wachende Instanz!

Ein riskantes Projekt mit offenem Ausgang. Jawaschew hat sich hier selbst übertroffen und wir sind gespannt, ob die Welt danach noch die gleiche sein kann.

© Thomas Huth

Justitia Frankfurt Römer Brunnen